| Die Straßenbahnen bei der Bogestra |
Kürzlich suchte ich im Internet nach bestimmten Informationen über Straßenbahnen. Interessanterweise fand ich sie trotz der Fülle der verschiedenen Seiten nicht. Ich stieß regelmäßig auf Informationen, die eher Kurznachrichten-Charakter hatten und über Umleitungen und Reklameänderungen informierten, das ganze garniert mit aktuellen Fotos. Informationen über die Vergangenheit fand ich häufig nur rudimentär, auch waren und sind ältere Fotos im Web Mangelware. Also packte ich mich an meine eigene Nase, spuckte in die Hände und führte auf meinem Betriebshof Bochum-Werne den Straßenbahnverkehr ein! Auf den folgenden Seiten finden Sie Informationen rund um den Straßenbahnbetrieb der Bogestra. Vorgestellt werden die einzelnen Fahrzeugtypen der Nachkriegszeit sowie die Straßenbahnlinien ab einem Zeitraum von ca. 1955. |
| Zunächst: Wie kam ich zu dieser Leidenschaft? Nun, ein paar Worte hierzu habe ich ja bereits bei "Diese Seiten" verloren. In Hinblick auf die Straßenbahn gibt es da aber noch ein paar Ergänzungen. |
| Im Sommer 1980 wechselte ich, wie bereits geschrieben, auf ein Gymnasium in der Bochumer Innenstadt. Das ich die nur auf dieser Schule angebotenen französchischsprachigen Unterstufe besuchte, hatte neben Bildungsidealen meiner Eltern noch einen profaneren Grund: Ich bekam eine für uns kostenlose Schülerfahrkarte, da die Entfernung dorthin ein bestimmtes Mindestmaß überschritt! Meine neue Schule also, das Hildegardis-Gymnasium, lag in der Nähe des Planetariums, für mich nach einmaligem Umsteigen am Hauptbahnhof mit der damaligen Straßenbahnlinie 306 zu erreichen. Kurze Zeit später unternahm ich mit einem Klassenkameraden den Versuch, bis wohin die Bahn denn vom Planetarium aus wohl noch fährt. An der Haltestelle Kolpingplatz verließ uns bei unserer Erkundungstour dann der Mut und wir fuhren wieder zurück. Die damalige Schleifenfahrt in Bochum-Gerthe habe ich also knapp verpasst! |
| Für die Rückfahrt von der Schule in die Innenstadt wählte ich jedoch regelmäßig die Buslinie 336. Und dies aus guten Gründen. Die Buslinie 36 übernahm 1973 die Verkehrsleistungen der Straßenbahninie 16 nach Harpen und genau wie diese einst, endete sie in einer großen Schleifenfahrt durch die Bochumer Innenstadt über Brückstr. - Rathaus - Bongardstr. - Hbf. Ich war also schneller am Rathaus und mein dort kreuzender 345er hatte an dieser Haltestelle noch eine Sitzplatzgarantie. Wäre ich mit der Tram zurückgefahren, hätte ich am Hbf nur einen schlechten Stehplatz bekommen und wenn ich mit ihr bis zum Rathaus gefahren wäre, hätte ich den Anschluß zur Linie 345 nicht erreicht! Außerdem fand ich es immer großartig, wenn ich am Rathaus auf der Linie 305 nach Querenburg Vestische Wagen zu sehen bekam! Ein Stakkato aus 24 Klack-Geräuschen, und schon hatte der Vestische Triebwagen 385 mit seiner rosafarbenen "Adler"-Ganzreklame die Rathauskreuzung passiert! |
| Aber meine Gesundheit verwehrte mir zunächst weitere Erkundungstouren. Auf der Fahrt nach Essen ins Klinikum, natürlich mit meiner Mutter und dem ÖPNV, gab es das nächste prägende Ereignis. Die Straßenbahn in Essen fuhr doch tatsächlich noch mit Beiwagen! Meine Mutter las mir damals krankheitsbedingt jeden Wunsch von Lippen ab, die Wahl des Anhängers für die Fahrt vom Essener Hauptbahnhof bis zum Klinikum war für sie ein leicht zu Erfüllender. Noch genau kann ich mich daran erinnern, wie der Anhänger in der scharfen Kurve Richard-Wagner-Str. / Moltkestr. scheinbar seinem Triebwagen nicht folgen wollte, dann aber ruckartig diesem gleichzog! Das Schicksal sollte mich 20 Jahre später nochmals in diese Gegend ziehen. |
| Nach meinem langen Krankenhausaufenthalt genesen, hatte die Bogestra mich geärgert: Sie hat mir die Straßenbahn geklaut! Im November 1981 wurde die Tunnelstrecke Bochum Hbf bis zum Ruhrstadion erröffnet. Was tut man in solchen Fällen? Richtig, die Schule wechseln! |
| Nach einem Intermezzo in Bochum-Hiltrop bezog meine neue Schule ein anderes Gebäude, in der Bochumer Innenstadt in der Nähe des Berbaumuseums, wunderbar zu erreichen mit der Straßenbahnlinie 305 ab Bochum Hbf bis zur Haltestelle Schmechtingstr. Extra für unsere Schule verkehrte dort morgens und mittags ein Einsatzwagen! Da ich inzwischen einen Fotoapparat besaß, wurden hiervon auch Dias gemacht. Beinahe täglich habe ich in den letzten Wochen der Tram nach Herne "meinen" Einsatzwagen fotographiert! Aber das nutzte nichts, die Bogestra wollte mir wieder die Straßenbahn klauen! Am 1. September 1989 fuhr ich das letzte mal mit der Straßenbahn von der Schule nach Hause, die U 35 übernahm am darauf folgenden Wochenende den Verkehr nach Herne. Ich war beleidigt. |
| Die Straßenbahn-Abstinenz dauerte zwei Jahre, dann konnte ich wieder täglich mit ihr fahren. Nach dem Abitur entschied ich mich für ein Studium an der Bochumer Uni, und dahin konnte ich endlich wieder mit der Straßenbahn fahren. Leider sollte mir auch dieses Vergnügen nicht lange vergönnt bleiben, die Bogestra plante doch tatsächlich schon wieder, mir die Straßenbahn zu klauen! Als die U 35 am 27. November 1993 bis zur Hustadt verlängert wurde, war es mit meiner Geduld vorbei. Es gab nun keinen Grund mehr, einen Umweg über die Bochumer Innenstadt zur Uni zu fahren und so wählte fortan ich den direktesten Weg dorthin: Mit dem eigenen Auto über die Autobahn, Fahrtziel innerhalb von 10 Minuten erreicht. Fahrzeitersparnis: Satte 40 Minuten pro Fahrt, die ich in meine Hobbies investieren konnte. |
| Und nun viel Spaß bei der Reise mit der Straßenbahn durch das Verkehrsgebiet der Bogestra! |
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