Bogestra: Die Normalbusse der zweiten VÖV-Generation

Die Bogestra gehörte zu den ersten Busbetrieben in Deutschland, die Omnibusse der zweiten VÖV-Generation beschaffte. Bei ihr wurden zwischen 1983 und 1988 74 Vertreter dieser Typen in den Bestand eingereiht. Wie in den meisten anderen Städten auch wurden die bewährten Typen ab Ende der 1980er Jahre durch die Niederflurtechnik verdrängt.

KOM 8317 bis 8321; 8318 II: Neoplan N 416 SL
KOM 8321 auf dem Pausenplatz am Hattinger ZOB

Im Dezember 1983 trafen bei der Bogestra die ersten Omnibusse ein, die nach dem Lastenheft der zweiten Standardbusgeneration gebaut wurden. Neoplan brachte als erster Hersteller seinen N 416 SL II genannten Linienbus der 1980er Jahre auf den Markt. Die Marke Neoplan war bei der Bogestra bislang nicht vertreten. Motorisiert waren diese Neoplan wie auch die später beschafften N 416 SL der Bogestra mit dem DAF DKCL 1160 V mit 210 PS, als Getriebe kam wiederum ein ZF 5HP500 zum Einsatz.

Nachdem KOM 8318 noch auf der Überführungsfahrt einen Totalschaden erlitt, bekam die Bogestra hierfür im Juni 1984 entsprechenden Ersatz, die KOM-Nr.8318 wurde ein zweites Mal vergeben.

An der neuen Technik mußte noch vieles nachgebessert werden, erwähnenswert sei hier der Ersatz der Lichtleiste im Fahrgastraum. Der mit Blechstegen verkleidete, in der Mitte des Daches von vorne bis hinten durchlaufende Kanal mit den Leuchtröhren wurde schon bald durch herkömmliche Leuchtkörper ersetzt.

Lackiert waren diese Busse im zeitgenössischen coloradogelb/türkis. Zum Weihnachtsfest 1995 sponsorte die Bochumer Kaufmannschaft eine City-Ringlinie durch die Bochumer Innenstadt. KOM 8317 und 8318 bekamen hierfür eine lichtgraue Lackierung mit aufgeklebtem Weihnachtsdekor. Wenn auch nicht für einen weiteren Einsatz auf der "City-Ringlinie" (Ein entsprechendes Fahrangebot gab es danach nicht wieder), so doch als Gepäckbus bzw. für Eigenwerbung wurden die beiden Busse unter Beibehaltung ihrer lichtgrauen Grundfarbe in den Folgejahren regelmäßig benutzt. KOM 8317 diente 1996 der Eigenwerbung "Einsteigen für alle", zur Weihnachtszeit 1996 bekam er als Gepäckbus wieder Weihnachtsmotive aufgeklebt; 1997 bekam er rote "StadtLinie" Streifen aufgeklebt, die er zur Weihnachtszeit wieder gegen Tannenbäume eintauschte; 1998 dann wieder "StadtLinie" Streifen und zur Weihnachtszeit 1998 diesmal unter Beibehaltung der "StadtLinie" Streifen Gepäckbusdekor. KOM 8318 gratulierte nach seinem Ringlinieneinsatz in den Jahren 1996 und 1997 seiner Besitzerin zum hundertjährigen Jubiläum, danach wurde er auf den Namen "Bruno" getauft und von Bochumer Schülern bunt bemalt.

Angemeldet und stationiert waren die Busse immer in Bochum, zwischen November 1998 und März 1999 wurde die Serie ausgemustert.

"Kinderhände beschmieren Bus und Wände", manchmal sogar legal!

KOM 8409: MAN SL 202
KOM 8409 war der neunte gebaute MAN SL 202, hier am Lütgendortmunder Markt

Im Dezember 1984 erhielt die Bogestra ihren ersten MAN der zweiten Standardbusgeneration. Er gehört zur Nullserie des neuen Typs und unterscheidet sich durch kleine Details von der späteren Serienproduktion. Hierzu gehören u.a. die vordere Stoßstange ohne Spoiler (nach Unfall später der Serie angeglichen), der Frontlinienkasten sowie die fehlenden Blinker an der hinteren Dachkante. Während seiner ersten Einsatzmonate in Bochum besaß er zudem eine geringfügig modifizierte Lackierung in coloradogelb/türkis: an der charakteristischen SL 2-Dachkante waren zwei zusätzliche türkise Streifen angebracht, die dem Bus (und dem ähnlichen KOM 8410) den Spitznamen "Indianerbus" einbrachte. Antriebstechnich war dieser MAN SL 202 mit D 2566 UH-Motor mit 200 PS sowie dem bei der Bogestra bewährten Renk Doromat 874A ausgestattet und entsprach so weitgehend den älteren MAN SL 200.

Nach einem mehrjährigem Ganzreklamenintermezzo wurde der Bus auf das "StadtLinie" Design ohne Rücksicht auf die Herstellerembleme umlackiert. Zugelassen und stationiert war der Bus stets in Bochum. 1999 wurde der Bus ausgemustert.

Mit neuer Stoßstange "modernisiert" und von den Serienfahrzeugen kaum noch zu unterscheiden

KOM 8410: MB O 405
Fototermin mit KOM 8410 auf dem Gelände des Betriebshofes Bochum-Weitmar

Fast zeitgleich mit dem MAN SL 202 erreichte im Februar 1985 ein Mercedes-Benz der zweiten Generation die Bogestra. Im Gegensatz zu seinem Konkurrenten aus Salzgitter fand er mit nur noch mit einem weiteren Exemplar geringe Verbreitung bei der Bogestra. Ausgerüstet war er mit dem 204 PS leistenden Motor vom Typ OM 427 sowie mit einem Mercedes-Benz Getriebe. Abgesehen von dem zusätzlichen türkisen Streifen an der Dachkante, der nach kurzer Zeit entfernt wurde, befand er sich bis zur Abstellung im Ablieferungszustand.

Bis zu seiner Ausmusterung im Jahr 2000 war er stets in Bochum zugelassen und im Einsatz.


KOM 8501 bis 8530: MAN SL 202
Am Ende seiner Tage: KOM 8507 in Ückendorf.

Zu einer der ersten großen Serien des MAN SL 202 gehörten die im Dezember 1985 indienst gestellten Busse der Bogestra. Bis auf Details glichen die Wagen dem Nullserienexemplar 8409, auch bei ihnen kam der 200 PS leistende D 2566 UH-Motor sowie das Renk 874A-Getriebe zur Verwendung. Bei dieser großen Serie gab es im Laufe der Betriebszeit eine Vielzahl von Veränderungen, von denen die Bemerkenswertesten hier kurz aufgezählt werden:

- KOM 8521 erhielt 1988 eine Matrixanzeige, wie sie auch die letzte Serie SL 202 erhielt

- Ganzreklame trugen die KOM 8501, 8504, 8505, 8508, 8510, 8511, 8513, 8514, 8517, 8524, 8525, 8526, 8527, 8528, 8529

- Nach Löschung der Ganzreklame bekamen folgende KOM die "StadtLinie" Lackierung: KOM 8501, 8504, 8505, 8513, 8514, 8517, 8528

- KOM 8516 war Werbebus zur Erröffnung des neuen Betriebshofes in Gelsenkirchen-Ückendorf und bekam aus diesem Grund bereits 1990 eine Lackierung im "StadtLinie"-Design

- Zugelassen war die Serie ursprünglich komplett in Herne. Obwohl der Betriebshof in Herne-Eickel im Jahr 1990 geschlossen wurde und die Bogestra in Herne keine Adresse mehr hatte, wurden die Busse erst 1995 auf die übrigen Standorte der Betriebshöfe umgemeldet. Die Busse dieser Serie waren auf allen drei (bzw.vier) Betriebshöfen der Bogestra stationiert

- KOM 8527 wurde nach Brandstiftung bereits 1997 ausgemustert

Aufgrund von Korrosionsschäden begann die Ausmusterung dieser Serie im großen Stil im Jahr 1999, sie war Ende 2002 abgeschlossen.

Der erste auf das "StadtLinie"-Design umlackierte Bus: KOM 8516 als Werbebus in Hattingen

KOM 8531 bis 8536: Neoplan N 416 SL
Verdiente Pause nach einem Einsatzjahr: KOM 8533 in Bochum am Hauptbahnhof

Im Dezember 1985 wurde eine zweite Serie von Neoplan N 416 SL II bei der Bogestra angemeldet. Mit diesem Typ gelang es Neoplan, sich auf dem Markt der Linienbusse zu etablieren. Mercedes-Benz und MAN wollten sich diese Konkurrenz fernhalten, indem sie die Lieferung von Motoren an Neoplan für den Einsatz in Linienbusse einstellten. Als neue Motorlieferanten wählte Neoplan daraufhin DAF und Deutz für seine Fahrzeuge aus. Insbesondere mit den N 416 SL II mit Deutz-Motoren füllte Neoplan seine Auftragsbücher, denn nachdem sich Magirus-Deutz aus dem Omnibusbau zurückzog entstand eine Marktlücke für Linienbusse mit luftgekühlten Motoren. Die Bogestra indes vetraute immer noch auf Wasser als Kühlmedium und so hatten auch die 1985er Neoplan DAF-Motoren in Kombitation mit ZF-Getrieben. In kleinen Details lassen sie sich von der ersten Serie unterscheiden. So wurde die Position von  Liniennummer/Fahrtziel im Frontfilmkasten getauscht, weiterhin wurden Blinker an der der hinteren Dachkante angebracht.

Zwei Busse, KOM 8535 und 8536 erhielten später eine Ganzreklame. Angemeldet wurden die Busse in Bochum, auch waren sie immer in Bochum-Weitmar stationiert. Im Laufe des Jahres 2000 wurde diese Serie ausgemustert.


KOM 8601 bis 8607: MAN SL 202
KOM 8601 auf der kurzen und kurzlebigen Linie 368 E, die zwischen dem Bochumer Ruhr-Park und dem benachbarten Schwimmbad "Aquadrom" verkehrte

Im Februar 1987 folgte die 1986er Beschaffung MAN SL 202. Lediglich die zusätzlichen Positionsleuchten an den seitlichen Dachkanten sind äußerliche Unterscheidungsmerkmale. Technisch hingegen bekamen sie Motoren aus der neuentwickelten Baureihe D28. 240 PS leisteten die hier eingebauten D 2866 UH-Motoren, als Getriebe diente wieder das Renk 874A.

KOM 8603 und 8606 waren zeitweise mit Ganzreklamen unterwegs, KOM 8601 besitzt eine Fahrschuleinrichtung. Ursprünglich waren die Busse in Gelsenkirchen angemeldet, später wurden sie auf Kennzeichen entsprechend den Stationierungen umgemeldet. Bis auf eine Ausnahme kam das Ende dieser Serie Im Jahre 2002: KOM 8601 ist immer noch im Fahrschuleinsatz!


KOM 8608 bis 8614: Neoplan N 416 SL
Wie war da noch der Spruch? Fahre hin mit Neoplan, ...

Ihre letzten Neoplan N 416 SL erhielt die Bogestra im Februar 1987. Sie entsprachen bis auf einen anderen ZF-Getriebetyp den Bussen der vorangegangenen Lieferung. KOM 8614 war als Ersatz für die 1986 ausgemusterten letzen Überlandbusse der Bogestra gedacht, die häufig auch im internen Gelegenheitsverkehr eingesetzt wurden. Für Autobahnen präpariert erhielt er eine Zulassung für 100 km/h. Austattungunterschiede waren bei diesem Bus die entsprechend vorgeschriebenen Sicherheitsgurte sowie zwei herausnehmbare Sitzbänke im Bereich der Stehfläche gegenüber der Mitteltür.

KOM 8608 erhielt nach Löschung einer Ganzreklame die weiß/rote "StadtLinie" Lackierung. Bis 1995 besaßen die Busse Gelsenkirchener Kennzeichen, ihrer Zugehörigkeit zum Betriebshof Bochum-Weitmar wegen bekamen sie dann Bochumer Zulassungen. Mit KOM 8610 begann 1999 die Ausmusterung der Serie, die im Dezember 2000 beendet war.

Auf Ganzreklame folgt StadtLinie: KOM 8608 am Bochumer ZOB

KOM 8701: MB O 405
Die Linie 352 wurde 1988 zur CE 31 aufgewertet: KOM 8701 machte damals schon Dienst

Im Januar 1988 stand ohne Bestellung ein zweiter MB O 405 auf dem Betriebshof Bochum-Weitmar. Bei ihm kam der OM 447 h-Motor mit 240 PS zum Einbau. Im Dezember 2004 wurde er in seinem Auslieferungszustand als Vorbild für ein sauber gemachtes HO-Modell ausgewählt, welches in kleiner Auflage unter dem Slogan "Unsere Stars der 80er" bei der Bogestra erhältlich war.

Nach einer Ganzreklame bekam er die "StadtLinie" Lackierung. Der beliebte und immer in Bochum zugelassene Bus wurde 2002 ausgemustert.

"StadtLinie" auf MB O 405. Demnächst auch als Modell?

KOM 8801 bis 8816: MAN SL 202
Komfortabel auch nach Wuppertal: KOM 8802 auf der Linie 332

Im Oktober 1988 erhielt die Bogestra ihre letzen MAN SL 202. Sie hatten ebenfalls den D 2866 UH-Motor mit 240 PS eingebaut, diesmal jedoch in kombination mit dem ZF 5HP500-Getriebe. Neu für die Bogestra war die Matrix-Anzeige.

KOM 8801 bis 8806 erhielten für den Einsatz auf der ersten "CityExpress"-Linie im VRR, der CE 31 von Bochum nach Hattingen, eine Lackierung im neuen "CityExpress"-Design und eine modifizierte Innenaustattung. Der Rest der Serie wurde im bekannten coloradogelb/türkis ausgeliefert und entsprach dem bisherigen Bogestra-Standard. Im Sommer 1992 wurden die CE-SL 202 von entprechend lackierten MAN NG 272 abgelöst. Die Wagen 8801 bis 8806 wurden daraufhin durch Umlackierung zu ordinären "StadtLinie"-Bussen degradiert. Da die 10 in den alten Hausfarben lackierten Fahrzeugen nach nur einem Jahr aufgrund der geänderten Design-Vorgaben "veraltet" waren, wurden sie bevorzugt für Ganzlackierungen benutzt. Aber auch durch Umlackierung wurden einige dem "moderneren" Fahrzeugpark angeglichen:

- Ganzreklame trugen die KOM 8807, 8809, 8810, 8811, 8813, 8814, 8815

- "StadtLinie" Lackierung nach Ganzreklame erhielten die KOM 8807, 8808, 8810, 8811, 8814, 8815

- "StadtLinie" Lackierung ohne vorherige Ganzreklame erhielten die KOM 8812, 8816

- alle sechs "CityExpress" Busse erhielten ebenfalls "StadtLinie" Lackierung

Ursprünglich besaßen alle Busse Bochumer Kennzeichen. Die Ausmusterung dieser Komfortbusse begann 2002 und war 2003 abgeschlossen.

Adieu Standard-II!

Vom Lande in die Stadt: KOM 8810 am Bahnhof Witten-Bommern auf dem Weg nach Bochum-Langendreer
KOM 8816 in Herbede/Ruhr

KOM 8951: MAN SÜ 242
Pressevorstellung in Hattingen: Bogestra KOM 8951 und Schnellbus 211 der VER

Im Oktober 1990 eroffnete die Bogestra zusammen mit den Verkehrsbetrieben Ennepetal-Ruhr die Schnellbuslinie SB 37 zwischen Bochum Hbf und Ennepetal Busbahnhof. Bis zur Auslieferung des hierfür bestellten MAN ÜL 292 im Juni 1991 setzte die Bogestra einen von MAN geliehenen SÜ 242 ein.

Der zunächst noch auf Salzgitter zugelassene Bus tauschte bei der Bogestra seine silbergrau/blaue Vorführlackierung gegen eine Lackierung in der entsprechenden Produktfarbe "StädteSchnellBus" lichtgrau/blau. Er bekam für seine kurze Einsatzzeit in Bochum eine Bochumer Zulassung.


KOM 9001: MAN ÜL 292
Luxus pur bei der Bogestra: Der Schnellbus im Einsatz am Hattinger ZOB.

Im Juni 1991 traf der für die SB 37 bestellte Überlandbus ein. Man entschied sich für einen MAN ÜL 292 mit Automatikgetriebe. Als Getriebe kam das ZF 5HP500 zum Einbau, der Motor war vom Typ D 2866 TUH. Obwohl die serienmäßige Leistung dieses Motors 290 PS beträgt, wird sie in Bogestra-Unterlagen mit 312 PS angegeben. Der Einzelgänger diente über seine Einsätze als Schnellbus hinaus auch dem internen Gelegenheitsverkehr, in diesen Fällen wurde auf der SB 37 dann ein normaler Linienbus eingesetzt.

Vom Betriebshof Bochum-Weitmar aus eingesetzt trug er auch eine entsprechende Bochumer Zulassung. Im Oktober 2004 verunfallte der Bus schwer und mußte ausgemustert werden.