Aleksandras zehnter Blick über die Betriebsgrenze

Die Schrottplatzgrenze. Den zehnten Blick über die Betriebsgrenze nahm ich zum Anlaß, in meinem Archiv nach Bildern ausgemusterter Omnibusse auf Schrottplätzen, Gartenlauben und so weiter zu suchen. Die damals entstandenen Fotos dokumentieren das Ende einer Reihe höchst interessanter Omnibusse, nach denen sich manch Museumsverein heute die Finger lecken würde. Doch auch heute noch verschwinden massenhaft erhaltenswerte Fahrzeuge unter den Händen des Satans aus Griesheim. Es ist höchst bedauernswert, dass die Nahverkehrsgeschichte des Ruhrgebietes nur anhand von zahlreichen Museumsstraßenbahnwagen nachgezeichnet werden kann. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es zwischen Rhein und Ruhr keine seriöse Interessensgemeinschaft, die sich dem Erhalt alter Omnibusse aus der Region widmet.

Der Letzte seiner Art: KOM 138
Bis zum Ende der 1980er Jahre überlebte auf einem Schrottplatz in Bochum-Riemke dieser Büssing-Uerdingen 6500 T von 1955 als Lagerraum. Omnibusse seines Typs dominierten den Verkehrsraum der Bogestra in den 1950er und 1960er Jahren. Während in Essen schon eifrig Straßenbahnen restauriert wurden, gab es für ihn leider keine Rettung mehr...

Zugewachsen
Nur im Winter konnte man ihn sehen. Der ehemalige Bus 326 der Bogestra, einer von 27 im Jahre 1963 beschafften Büssing Senator 13 in dreitüriger Ausführung, lag vor lauter Respekt vor dem Schneidbrenner schon auf der Seite.

Irrglaube Museum

Noch nicht einmal im Museum konnten historisch wertvolle Linienbusse überleben. KOM 5 der Bogestra, ein rarer Büssing-DÜWAG GBS 165 rottete seit seiner Ausmusterung 1975 im Straßenbahnmuseum Wehmingen vor sich hin. In der Folge einer Neuorientierung des Museumskonzeptes wurde er schließlich doch zerlegt...


Schrott-Idyll
Nachdem KOM 427 der Bogestra nach seiner Ausmusterung 1983 noch für die SPD als Wahlkampfbus tätig war, hauchte er 1988 zwischen Bertone X 1/9, Ford Granada und Ford Escort II auf einem Schrottplatz an der Bochumer Seilfahrt sein Leben aus.

Warten auf die Griesheim-Säge
Fasziniert war ich immer wieder vom Omnibus-Schrottplatz der allseits bekannten Firma Lingner in Wattenscheid. Nahezu täglich rollte der Nachschub an und sorgte für hohen Umsatz beim örtlichen Acetylen und Sauerstoffhändler. Hier wartet der ehemalige Bogestra-Bus 137, ein 1974er MAN SL 200 darauf, für den Schrottcontainer portioniert zu werden.

Braune Eminenz
Aus mir unbekannten Gründen landete dieser ex-Dortmunder MAN SL 192, Wagen 1289, in Bochum-Langendreer bei einem Gebrauchtwagen-Höker. Sollte es noch eine Rettung geben?

 
Nachdem dieser ex Dortmunder MAN 890 SG auch bei seinem Zweitbesitzer, der ebenfalls in Dortmund ansässigen Firma Lange, entbehrlich wurde, machte er auf seinem Weg in den Omnibushimmel noch an einer Tankstelle irgendwo in Mengede Station. Vielleicht führte sein Weg danach in die Westfalenhütte...

Gemüse-Büssing
An einem Feldweg in Bochum-Laer stand von 1980 bis 1991 dieser Büssing Präfekt 13 Standard als Ladenlokal eines Gemüsehändlers. Das phantasievoll angebrachte Bitumen machte den ehemaligen Essener KOM 3118 zu schließlich Sondermüll.

Schrott mit Brandschaden
Doch machen wir uns nichts vor. Im Gegensatz zu heute, wo nach 10 oder 12 Jahren ausgemusterte Linienbusse aufgrund der Fortschritte im Korrosionsschutz noch eine hohe Lebenserwartung besitzen, war ein Bus damals nach der gleichen Nutzungszeit wirklich Schrott. Insbesondere für Gelenkbusse bedeutete die Ausmusterung beim Verkehrsbetrieb das Todesurteil. Der Markt für gebrauchte Großraumbusse war gleich null und nur ganz wenige Privatunternehmen hatten hierfür einen Bedarf. EVAG KOM 3782 steht hier in Erwartung des Vollzugs seines Todesurteils auf dem Gelände des Lingner-Zwischenlagers an der Hansastraße in Wattenscheid.

Ersatzteilspender
Der Export gebrauchter Omnibusse in den Dimensionen wie wir sie heute kennen, war damals unbekannt. Der Osten war noch geschlossen, allenfalls nach Afrika wurde exportiert. Von den Büssing-Ludewig Gelenkbussen der EVAG konnte zwar noch für eine Anzahl in der Türkei Asyl gefunden werden, der Rest verschwand in den Hinterhöfen der Busunternehmen an Rhein und Ruhr. Die Firma Richter in Recklinghausen konnte von diesem MAN-Büssing VG 16 der EVAG zumindest noch den Motor gebrauchen. Der Rest landete in der Tonne. Der ganze Rest? Nein! Ein noch voller Lebensfreude steckendes "AERO"-Emblem flehte die Fotografin damals an: "Nimm mich mit!" Dem Wunsch wurde entsprochen!

Eingekeilt und rumgebastelt
Auch für luxuriöse Reisebusse kommt eines Tages der Zeitpunkt, vom Straßenleben Abschied zu nehmen. Zwischen anderen Todgeweihten eingeklemmt und nur schwer mit der Kamera zu erfassen, gab es für den ehemaligen Essener KOM 3925, ein Büssing Präfekt 15 mit Emmelmann-Aufbau, noch den Keim einer Hoffnung. Spuren einer Aufarbeitung sind noch deutlich zu erkennen. Lebt er doch noch irgendwo?

Metro-Schrott
MAN Metrobusse waren Ende der 1980er Jahre von den Straßen fast ganz verschwunden und auch auf Schrottplätzen waren sie bereits eine seltene Erscheinung. In der Gesellschaft von ca. 50 weiteren Griesheim-Kanditaten wartete auch der ehemalige Herner Wagen 33 im Jahre 1988 auf seine Zerteilung.

Gartenhaus
Dieser Büssing BS 110 V, den zuletzt die Firma Gabler aus Sprockhövel einsetzte, diente noch eine Weile in Bochum-Harpen als Gartenlaube. Fortschreitende Korrosion ersparte schließlich den Einsatz thermischer Trennmittel, ein einfacher Besen genügte.

 
Als ich diesen Büssing Senator Verbund mit Ludewig-Aufbau 1988 erstmalig auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Caroline in Bochum-Harpen entdeckte, war er rostfrei! Der von der Hagener Straßenbahn stammende Bus von 1965 trug bei seiner Erstbesitzrein die Betriebsnummer 638 und wurde nach seinem Leben als Transportmittel an den örtlichen Katastrophenschutz weitergegeben, wo er offenbar beste Pflege genoß. Doch all die Jahre in den schützenden Hallen wurden durch ein langes Dahinvegetieren auf dem Schrottplatz zunichte gemacht. 1994 war der rare Bus nur noch ein Schatten seiner selbst.

Unbekannter Magirus
In der Schrottecke der Gladenbacher Firma Zimmermann stand dieser Magirus-Deutz 200 SH 110. Wer kann ihm anhand seiner Fahrgestellnummer noch posthum eine Identität geben? 528.0128.027

Die letzte Demütigung
Ein frecher Japaner namens Mazda 323 nahm diesem Mercedes-Benz O 317 Vetter-Gelenkbusse die letzte Würde. Der ehemalige Stuttgarter Bus 7141 bekam noch eine Weile bei der RLG in Soest unter der Betriebsnummer 81-32 seinen Gnadendiesel. Hoffen wir, dass der stolze Bus diese Demütigung auf einem Bochumer Schrottplatz nicht mehr lange ertragen musste .